Lieber Gölä

Lieber Gölä,

mit Schrecken las ich ihre Statements in dieser grossen Schweizer Zeitung. Nicht unbedingt, weil sie das sagen. Mehr weil ich schlicht immer wieder erstaunt bin, dass es Menschen gibt, die so denken. In einem Land wie der Schweiz, wo die Schokolade 60 Rappen kostet und trotzdem umwerfend zart schmilzt. Wo die Menschen wirklich, und ich muss es sagen, auch wenn es noch so abgedroschen klingt, alles haben, was sie brauchen. Ausser vielleicht genug Sex, aber das ist ein anderes Kapitel. Krass.

Was genau ist ihr Problem, lieber Gölä?

Die Bevölkerung dieses Landes war und ist so gut zu ihnen. Sie hat sie vor über zehn Jahren auf den Thron der hiesigen Musiklandschaft gehievt. Ihr erstes Album liegt auf Platz 4 der ewigen Schweizer Hitparade. Das müssen ungefähr zigrillionen verkaufte Expenplare sein. Ihr Erfolgsrezept damals: Keines. Hemdsärmlig und büezerschuhern machten sie das, was sie damals wirklich gerne machten: Musik. Aus dem Herzen und mitten ins Herz. Ich bewunderte sie dafür und finde die Musik auf ihrem Debut immer noch toll. Und die Schweizerinnen und Schweizer haben sie geliebt für die Songs und überhaupt. Obwohl offizielle immer der Büezer, konnten sie bald aufhören zu büezen. Und überhaupt hat der Erfolg sie dann doch ein bisschen verändert. Sie haben die Musik an den Nagel gehängt, sind verschwunden, wieder aufgetaucht, machten plötzlich englischsprachige Musik, die niemand hören wollte und waren dann, die Frage sei erlaubt: des Portmonees wegen?, plötzlich wieder zurück, um kurz darauf ihre alten Klassiker ein bisschen aufzupeppen und nochmals zu verkaufen. Und haben auch mit dieser CD noch Platin geholt. Und das obwohl sich das Musikgeschäft in der Zeit halbiert haben dürfte. Heisst aber vor allem:

Die Schweizerinnen und Schweizer haben ihnen alle ihre Kapirolen vergeben.

Die haben sich gesagt: Der Gölä, der hat zwar schon auch einen Schaden mit seinem Abhauen aus der Schweiz und den komischen CDs auf Englisch, aber die Musik und seine Tegsch sind eben trotzdem gut. Voilà. Tolles Volk in diesem Land. Und auch sonst: Sie geniessen alle Vorteile des Luxus’ in der Schweiz: Sie spielen für hohe Gagen auf grossen Bühnen, sie streichen Tantiemen ein, weil ihre Songs täglich 10-15 von den tollen Radiostationen in diesem Land gespielt werden (notabene 2-3 Mal täglich von den staatlichen Radiostationen) und leben sehr gerne mit fliessend Wasser, genug Strom, genügend Strassen für ihr Traktorauto und können sich täglich ihr eiskalt frischgezapftes Bier leisten. Und dann sagen sie: Die Politiker sind alle unfähig.

Das lieber Gölä, ist ziemlich doof.

Etwa so doof, wie wenn das Essen in einem Restaurant toll schmeckt und ich mich danach beim Koch beschwere. Und seine Entlassung fordere. Gut, noch dümmer agiert an der Stelle der Präsident der, nun mit ihnen befreundeten, Partei, der toll findet, was sie sagen, obwohl er selber Chef der Partei ist, die am meisten solche Politiker in Bern stellt. Politiker, die sie alle als unfähig schelten. Am meisten unfähig ist hernach also die Partei des blonschöpfigen Toggenburgers selbst. Dieser Kater beiste sich selbst in die Eier.

Aber auch anderes, was als Zitate von ihnen in dieser Zeitung abgedruckt wurde, ist sehr doof. Sie sagen nämlich, das jeder Mensch das Recht haben sollte, ein Waffe zu Hause zu haben. Mal abgesehen von der Tatsache, dass dies dank der Armee leider immer noch fast so ist, ist das doof, weil:

  • Statistiken eindeutig zeigen, dass es ein Verhältnis gibt, zwischen Schusswaffenbesitz und Tötungsdelikten mit Schusswafen. Kurz gesagt: Schusswaffen machen ein Land nicht sicherer, sondern unsicherer. Die Vereinigten Staaten, mit der ungewöhnlich hohen Tötungsrate, beweisen dies eindrücklich.
  • Sie damit allen Leserinnen und Lesern zeigen, dass ein Tötungsdelikt nicht wirklich etwas anderes ist, als die Polizei zu rufen, die für sowas nämlich ausgebildet und zuständig wäre. Sie wollen die Einbrecher eigenhändig erschiessen. Selbstjustiz. Und das untersützt diese komische Partei auch noch, die immer argumentiert, dass dieses Land zu unsicher sei.

Lieber Gölä, aber das beste an der ganzen Geschichte mit ihnen ist, dass sie nicht wählen gehen. Weil man eh alle Politiker auswechseln müsste, wie sie argumentieren. Alle Politiker, die aber diese Schweiz so gestaltet haben, wie sie ist. In erster Linie ausserordentlich sicher, aufgeräumt, wohlhabend und schlau. Deshalb gehen sie nicht wählen.

Was bitte sehr ist denn das für ein Argument?

Weil alle Politiker schlecht sind, geht man nicht wählen. Damit untergraben sie die Demokratie, die darauf angewiesen ist, dass Menschen wählen gehen, weil das sonst alles keinen Sinn macht. Aber es ist auch sonst ausserordentlich hirnverbrannt, wie sie argumentieren. Weil: wenn auf meinem Hausdach einige Ziegel fehlen, oder sogar alle Ziegel fehlen, kann ich auch nicht die Faust im Sack machen, sondern muss das Dach flicken. Und das funktioniert in diesem Land nun mal über das auch für mich etwas mühsame Wählen und Abstimmen. Die Partei, deren Parolen sie nun verbreiten, versteht es übrigens ausserordentlich gut, viele Menschen zum Wählen und Abstimmmen zu überzeugen. Was ihnen, ganz zu meinem Leidwesen, tatsächlich auch Erfolge bringt.

Und ganz grundsätzlich finde ich es sehr schade, dass sie solche Parolen verbreiten. Es geht mir nicht darum, dass sie sich politsch äussern. Das finde ich sogar toll,

da sollte sich ihr legitimer Nachfolger (Bligg), mal eine Scheibe davon abschneiden.

Der hat nämlich leider aufgehört damit, seit seine Käufer etwas volkstümlicher geworden sind. Mit der radikalen Art ihrer Aussagen und dem Hass, den ich da raushöre, giessen sie aber nur Öl ins Feuer. Genau diese radikale, rücktsichtlose Art zu politisieren macht dieses Land ebenso aggresiver wie Einwanderer, die Probleme mit Gewalt lösen. Sie, lieber Gölä, sind gegen Migranten, die das Land mit ihrer Aggresion unsicher machen, tun dies aber ebenso mit den Parolen, die ebenfalls zum Gebrauch von Gewalt aufrufen. Auch dieser Kater, sie wissen schon…

Schade, lieber Gölä. Ich mochte ihre Art grundsätzlich, verstand auch ihren Wunsch, dieses Land zu verlassen, habe ihnen auch die paar musikalischen Ausrutschter verziehen. Aber mit den nun geschossenen Parolen stossen sie in ein Horn, das sich sowasvon satt bin zu hören. Äussern sie doch ihren Wunsch nach Sicherheit und Ordnung ein bisschen anders. Oder heissen sie auch mal Leute willkommen. So wie Dave Dobbyn das in Neuseeland auf wunderschön patriotisch-weltoffene Art gemacht hat. Das, lieber Gölä finde ich reife Worte eines gestandenen Künstlers. Zu denen ich sie eigentlich gezählt hatte.

Mehr Liebe, mehr Frieden, mehr Platz, mehr Platz für alle.

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Ga Ga ist zurück!

Nachdem “Ga Ga Gaddafi” auf Youtube nicht mehr zu hören ist. (siehe 20Minuten), gibts das “Video” zum Gaddafi-Song neu auf Vimeo zu sehen. Schauen wir mal wie lange. Dranbleiben.

Dabu Fantastic - Ga Ga Gaddafi from Poolproductions on Vimeo.

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Komplett Ga Ga

Youtube hat das Video unseres Songs “Ga Ga Gaddafi” gesperrt. Aufgrund Reklamationen des lybischen Fernsehkanals LJBC. Skandal!

Mal schauen, was da noch kommt. Muss jetzt Ueli mit seiner Armee ran?

Den Songs gibts aber immer noch hier zum Download

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Schützenfest

Was für eine Idylle. Herr und Frau Schweizer mit weisser Weste, verliebtem Blick und sanft tief sitzender Jeans (für einen Tick Jugendlichkeit). Der Horizont offen, der Himmel Weiss (und was, lieber Grafiker, ist dieser Boden?). Paradiesisch. Aber: Je mit Gewehr in der Hand. Was für eine Idylle. Wie schön das sein muss, zusammen bisschen schiessen gehen am Schützenfest. Dabei findet das eigentliche Schützenfest ganz woanders statt:

24 Juli 2004, Aargauer Zeitung

Weil ihre Ehe zerrüttet war, verliess eine Frau im Januar 2002 mit ihrem Kind die Wohnung, die sie mit ihrem Ehemann teilte. Dieser konnte das nicht verkraften. Um sie zurückzugewinnen, übte er Druck auf die Ehefrau und seine Schwiegermutter aus. Im April 2002 kletterte er im militärischen Tarnanzug mit geladenem Sturmgewehr an den Balkonen bis zum dritten Stock eines Wohnhauses, wo seine Gattin Quartier bezogen hatte, zertrümmerte die Balkontür und drang in die Wohnung ein. Im Schlafzimmer warf er sich auf seine schlafende Gattin und würgte sie.

Da läuft das wahre Schützenfest. Von 2000-2004 fanden in der Schweiz 476 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte in Partnerschaften statt. Nichts gegen Sportschützen. Ich sehe da auch eine Faszination, hatte selber auch schon Spass am Schiessen auf Sportscheiben. Aber: Hört bitte auf mit idyllischen Darstellungen im Zusammenhang mit Waffen. Und damit, die im ganzen Land aufzuhängen. Erst recht, wenn gleichzeitig “Killer-Games” verboten werden sollen, weil sie Gewalt verharmlosen. Was, meine Fresse, macht dann so ein Plakat? Abhängen!

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Ja, ja, ja…

Ja der Schiri gestern war natürlich jenseits. Und ja, er ist ein Saudi. Aber der Hass, der dann plötzlich über so einer Person ausgeschüttet wird, finde ich ebenso jenseits. Und vor allem: die rassistisch-anti-muslimische Parole hervorzuholen, nur weil der nicht lupenrein pfiff, das finde ich schlicht traurig und ein Zeugnis von mangelnder Kritikfähigkeit/Verstand/Hirn allgemein. Oder wie’s jemand mal treffend formuliert hat: Da fehlt’s an einem ganz zentralen Ort. Vor allem (und so hat’s auch Emm schön gesagt), wenn man ein paar Tage zuvor die Schweizer Secondo-Mannschaft mit Muslimen in ihren Reihen in höchsten Tönen gelobt hat. Ich frage mich, wann diese Landsleute endlich runterkommen von ihrem fremdenfeindlichen Film und das alles einfach realistisch sehen. Immerhin hat die Schweiz auch aus 1000 anderen Gründen verloren. Und der Schiri pfeifft ja wohl nicht so, weil er ein Saudi ist. Sondern weil er einfach so ist, wie er ist. Oder waren in eurer Sekundarschulzeit alle Lehrer und Hauswarte gleich streng? Und wenn nein, hatte die unterschiedliche Auslegung der Schulordnung oder der Schulregeln mit deren Herkunftsnation zu tun? Oder bei den Vorarbeitern, Lehrmeistern, Chefs? Wohl kaum.

Das beweist leider, was ich schon vor langer Zeit gesagt hatte:

Dabu – Land Wo Hasst

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Verbieten Ist Geil

Zwei Politikerinnen einer Partei, die in ihrem Parteinamen das Wort „frei“ hat, wollen das Alkoholtrinken bei Dunkelheit in Zürcher Parks verbieten. So schrieben heute Freitag diverse seriöse und weniger seriöse Zeitungen. Und, so steht in allen Artikeln, das Vorbild sei Chur, wo «diese Regelung seit zwei Jahren mit Erfolg» gelte. «Nicht angetan» von dieser Idee ist ein Mitglied einer Partei, mit der ich eigentlich nie, aber auch gar nie, gleicher Meinung bin. Und ich bin, so weit ist es schon gekommen, froh, dass es die Partei gibt, die da dagegen ist. Denn ich bin das auch. Dagegen. Denn dieses Verbot ist unglaublich dumm. Auch die Argumentation ist unglaublich dumm. Denn: In Chur ist dieses Verbot überhaupt nicht erfolgreich. Heute war ich, zufälligerweise, in der Bündner Hauptstadt. Und die Leute dort haben mir erzählt, dass die Stadt seit dem Verbot tot sei. Die untere Gasse hätte früher gelebt am Abend, sei voll von meist lebensfreudigen Menschen gewesen, während jetzt alles einfach still sei. Ist das erfolgreich? Ist es das, was die Regierung will? Menschen ganz allgemein (von Punks, Junkies, etc. sind wir uns das ja schon gewohnt) von der Strasse vertreiben?
Das Verbot in Chur ist auch nicht erfolgreich, weil die meisten Bündner, die ich kenne, heute in Zürich feiern (was ich im Übrigen begrüsse, weil das ja äusserst angenehme Festgenossen sind). Das sollte auch nicht das Ziel einer Stadt sein, dass alle, die gerne paar Bierchen auf der Strasse leeren, in die nächste Stadt ziehen. Ich habe Churer auch gefragt: Wenn man denn noch feiern will, wohin geht man? Antwort: Lenzerheide, Arosa, etc. in die Ski/Snowboard-Clubs. Klasse. Klingt das nach einer Lösung?
Wir sind aber noch nicht beim Kern des Problems. Ein Problem übrigens, das ich nicht verharmlosen will. Ich finde Jugendliche, die mir über die Schuhe kotzen im Nachtzug auch nur mässig dekorativ. Aber: Ein solches Verbot löst keine Probleme. Es schafft Probleme. Die Jugendlichen, die sich betrinken, werden kriminalisiert. Die Jugendlichen, die sich betrinken wollen, müssen das woauchimmer tun, was definitiv nicht die Lösung sein kann. Und: Jugendliche, die sich betrinken wollen, wollen sich nicht weniger betrinken nur wegen einem solchen Verbot. Das ist das Scheinheilige. Wenn mit jedem Franken, denn es kosten wird, dass die Polizei dieses Verbot durchsetzt, Jugendarbeit gemacht werden könnte, ja dann würden Problem verschwinden. Wenn jeder dieser Franken für echte Jugendkultur (nicht ein dämliches Jugi mit einem Billardtisch) eingesetzt würde, dann würde sich die Jugend verändern. Aber nein: die dämlichen Leute von der Partei mit dem „frei“ im Namen, wollen lieber, dass die Polizei für oberflächliche, scheinheilige Ordnung schaut. Ist ja für die auch kein Problem, die haben ja grosse Gärten in ihren Villen, in denen sie sich betrinken können an ihrem karierten Grillparties mit dem blau-melierten Kugelgrill. Die Jungs und Mädels aber, die aus Mietswohnungen im Sommer unter die Bäume und ans Wasser ziehen, um die Natur wenigsten ein bisschen zu spüren, die haben keinen Garten mit einem blauen Grill. Die sind dann einfach sonstwo. Oder spielen zu Hause Killergames, was sie ja auch nicht dürfen. Oder gehen mit Dosen an die Wände, was sie ja auch nicht dürfen. Oder mit dem Skateboard über die Treppe, was sie ja auch nicht dürfen. Oder gehen mit gefälschten Ausweisen in Clubs, was sie ja auch nicht dürfen. Oder lungern auf der Strasse, was sie ja  auch nicht dürfen.
Wir leben in einem unglaublichen Land. Verbote, verbote. Und dieser Reto Lardelli, der Initiant des Churer Verbotes, ist der Dümmste von allen. Der sagt: «Es geht natürlich nicht darum, jene zu bestrafen, die im Mondschein mit dem Schatz Champagner trinken.» Das heisst: Es ist besser, zu seiner Freundin Schatz zu sagen und mit ihr Champagner zu bechern als sich mit Bier und ein paar Freunde im Park zu betrinken? Diese Wertung kann nicht sein. Nachdenken liebe Politiker und ehrlich sein zu euch selbst. Wir sehen uns am nächsten Polit-Apéro beim Weisswein, ihr Heuchler!

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